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Der erste Schritt zur Klarheit ist die Akzeptanz, dass sich immer alles verändert...

 

Heute habe ich lange überlegt, ob und über was ich schreiben könnte! Dann stupste mich mein Handy an und ich durfte diesen Sonnenaufgang bewundern, den mir eine gute Freundin geschickt hat heute Morgen. Genial oder? Diesen Blick dürfen wir manchmal genießen hier im Landhaus Fernblick in Winterberg, in dem ich auch meine Seminare anbiete. Da macht das Haus seinem Namen wirklich alle Ehre. Wisst ihr, was dieses Bild für mich ausdrückt: Klarheit!

 

 

Und schon hatte es mich wieder eingeholt dieses Thema, denn auch im Verlaufe des Tages kreuzte es immer wieder meinen Weg. Was ist das überhaupt, Klarheit? Wie bemerke ich eigentlich Klarheit? Gibt es eigentlich Klarheit, wenn sich ohnehin immer alles verändert? Oder gibt es Klarheit auf verschiedenen Ebenen? Kann ich also zum Beispiel klar sein in der Liebe und beruflich völlig im Chaos? Und die für viele Menschen offensichtlich sehr wichtige Frage: Wie erreiche ich eigentlich Klarheit? Wer jetzt erwartet, dass ich hier ultimative Lösungen anbiete, wie man möglichst schnell Klarheit erlangt in seinem Leben, den muss ich leider enttäuschen. Eigentlich möchte ich nur ein paar Fragen stellen, Denkanstöße geben vielleicht, meine spontanen Impulse einbringen und Dich im besten Fall dazu animieren, Deine Meinung oder Impulse dazu zu schreiben…

 

 

Denn wie oft hören und lesen wir, dass wir uns Klarheit darüber verschaffen sollen, was wir überhaupt wollen, welche Ziele wir haben im Leben. Privat, beruflich, in der Familie, beim Sport und und und… Weil sonst weder Universum noch der ultimative „Taxifahrer“ uns ans Ziel bringen können! Da ist schon was dran, wo soll er dann auch hinfahren, der Taxifahrer!?! Auf der anderen Seite: So eine lustige Taxifahrt kreuz und quer durchs Leben ohne konkretes Ziel erweitert sicher den Horizont und den individuellen Erfahrungsschatz! Und doch suchen wir häufig nach dieser Klarheit, wenn wir nicht mehr wissen, in welche Richtung es gehen soll! Hilfestellungen gibt esviele. Gesprächskreise, Entspannungskurse und -methoden, Reha, Therapien und was auch immer! Und doch hört die Suche scheinbar nie auf… Wer weiß, vielleicht gehört sie ja einfach dazu in diesem Leben…

 

 

Es ist schon ein wenig paradox, wir haben immer weniger Zeit im Alltag für Ruhepausen und für uns selbst und trotzdem machen sich immer mehr Menschen Gedanken über den Sinn ihres Lebens. Kosten ja auch Zeit solche Gedanken! Warum ist das so? Werden wir einfach unbewusst achtsamer durch den Stress, den wir haben? Zwingt uns das Tempo dazu, endlich wieder mehr auf uns aufzupassen? Gibt es tatsächlich sowas wie eine natürliche Notbremse, wenn wir ein wenig zu lang zu schnell durch das Leben rasen und uns überfordern? Oder ist es sogar der Überfluss und Luxus, den wir haben, der uns ermöglicht, ein wenig über uns und unser Leben zu reflektieren? Weil die Existenz-Grundlagen wie Ernährung, Wohnung, Einkommen in den meisten Fällen gesichert sind!

 

Mit einem Blick auf die buddhistische Lebensphilosophie könnte man sogar daran zweifeln, ob Klarheit wirklich geht! Oder ob die Definition irgendwie falsch ist! Schließlich verändert sich ja alles. Kein Moment ist wie der nächste! Alles ist in Veränderung! Diese Momente annehmen und zulassen wie sie sind, so lautet die Herausforderung im Buddhismus, zugegeben etwas oberflächlich übersetzt! Annehmen und akzeptieren, was sich nicht verändern lässt! Die Herausforderung lautet aber auch, den Augenblick zu erleben und rein zu spüren, wie er sich anfühlt. Was Kopf, Herz und Bauch sagen und ob es Möglichkeiten gibt, im Fall der Fälle die aktuelle Situation bewusst und liebevoll zu verändern oder loszulassen, wenn es sich richtig anfühlt. Klarheit im Sinne des Buddhismus würde ich also genau so interpretieren: Als Kompetenz, wieder in Kontakt zu sein mit mir selbst, meinen Körper zu spüren, meine Emotionen und Gedanken ohne Bewertung zu erkennen sowie klar und selbstbestimmt entscheiden zu können, wie ich mit der jeweiligen Situation umgehe. Und dies mit der ruhigen Gewissheit, dass sich trotzdem weiterhin immer alles verändert.

 

 

Ähnlich und doch noch etwas radikaler ist es für mich mit dem Wu Wei in der daoistischen Tradition. Ebenfalls frei übersetzt geht es dabei um das Nichthandeln. Es geht darum, dem Fluss des Lebens mit all seinen Biegungen und Turbulenzen zu vertrauen, ihn anzunehmen wie er ist und darauf zu vertrauen, dass sich alles fügt wie es sein soll. Nicht zwanghaft eingreifen lautet die Formel.

 

 

In beiden Fällen und Traditionen bedeutet Klarheit für mich, im gegenwärtigen Moment zu sein und den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, diese Momente gelassen anzunehmen, um dann zu handeln oder halt nicht zu handeln. Vielleicht sind wir deshalb immer auf der Suche nach Klarheit, weil uns dies halt selten gelingt. Weil uns noch ein wenig Vertrauen fehlt und wir den Kontakt mit unserem Herz und Bauch sowie mit dem Hier und Jetzt verloren haben…

 

 

Dies führt mich allerdings wieder zum Ursprung meiner Motivation, dem Thema Auszeit. Auch wenn es abgedroschen klingt, aber wie sollen wir Kontakt knüpfen mit uns, wenn wir uns jeden Tag quasi selbst überholen? Wie soll das funktionieren? Wann und wo sollen wir den aktuellen Moment im vollen Terminkalender eigentlich einplanen? Wann sollen wir spüren, wie es uns wirklich geht, wie wir ticken, was uns guttut und was nicht, welchen Weg wir einschlagen sollen jetzt?  

 

 

Sorry, aber es geht nur mit bewussten Pausen. Und damit, dass wir über ganz simple kleine Übungen den Fokus wieder auf uns selbst richten können zeitweilig. Ja, ist voll langweilig, aber für mich gibt es da zurzeit kaum eine Alternative. Achtsamkeit und Bewusstsein, die ultimativen Eltern der Klarheit, kommen nur selten von selbst. Oder hast Du eine bessere Idee? Eine bessere Idee als dieser kleine Zettel am Kühlschrank mit dem Hinweis „Auszeit“? Oder der Smilie am Badezimmer-Spiegel, der Dich kurz an Dich und Deine Großartigkeit erinnert? Oder die Liste, in die Du abends nur die Punkte einträgst, die positiv waren im Verlauf des Tages?

Hmmmm, oder vielleicht die bewusste Entscheidung, sich ein Auszeit-Wochenende wo und wie auch immer zu gönnen… Was auch immer, mit den kleinen Schritten der Achtsamkeit wächst das Vertrauen in das Leben, in den Fluss des Lebens, in den Moment und in die eigenen Fähigkeiten, mit all‘ diesen Momenten und der ständigen Veränderung selbstbewusst umgehen zu können…

 

 

Na, wenn das nicht Klarheit ist…

 

 

So, dies waren einfach ein paar Gedanken von mir. Vielleicht gefallen sie Dir, vielleicht auch nicht. Ich freue mich jedenfalls über jede Nachricht, jeden Kommentar, Kritik, Zustimmung oder den ein oder anderen philosophischen Ansatz… Gerne auch bei Facebook @auszeittraining!  Bis dann…


Wenn Du Lust hast auf weitere Impulse und Inspirationen, dann schau Dich einfach um auf meiner Webseite! Wer weiß, vielleicht sehen wir uns dann ja bald persönlich zu Deiner Auszeit...


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Kommentare: 1
  • #1

    Tami (Montag, 19 Februar 2018 11:36)

    Dazu fällt mir der kleine Prinz ein. "Man sieht nur mit dem Herzen gut..." In sich rein hören auch eine wichtige Methode, um sich eine Auszeit zu gönnen